„Und, wie läuft es in der Krippe?“ Na ja, sie macht sich ganz gut, aber so richtig überzeugt bin ich nicht. „Warum das denn?!“ Der Gruppenraum ist in meinen Augen zu klein für so viele (18) Kinder, dann sind es ja nur zwei Erzieherinnen und eine Praktikantin, die auch nicht immer da ist, die sanitären Anlagen sind sanierungsbe – „Achso? Aber die sind doch dafür ausgebildet! Die bekommen das schon hin.“ Ja schon, irgendwie, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich 2 Frauen, Ausbildung hin oder her, besser um 18 Kinder kümmern können, als eine Mutter um ihre maximal 3 Kinder. (Der deutsche Durchschnitt liegt ja ohnehin nur noch bei 1,2 Kindern pro Frau.) Zur Zeit haben fast alle Schnupfen – die kommen mit dem Naseputzen schon gar nicht mehr hinterher. „Also bei uns damals haben die mit den Kindern viel Gesungen und vor allem gebastelt. Das fanden meine Kinder immer toll.“ Das machen wir daheim ja auch. „Ja aber dafür hat man doch gar keine Zeit.“ Warum? Ich bin doch daheim? „Ja aber du musst doch noch deinen Haushalt machen.“ Sie hilft mir beim Wäscheaufhängen und beim Geschirrspüler ausräumen. Außerdem hab ich dafür auch Zeit wenn sie schläft. Ich ziehe ja kein Musterhaus, sondern ein Kind groß. „Aber sie muss doch ordentlich sozialisiert werden. Die muss doch unter Kinder.“ Auf dem Spielplatz sind ja auch Kinder. „Hmmm… na letzen Endes müsst ihr entscheiden.“ Ja das stimmt. Mal sehen, bisher hält sie sich ja tapfer. „Ja, ach und wenn die mal schreien, dein Mann hat auch jeden morgen Theater gemacht – da hab ich ihn dann eben ins Badezimmer gestellt und gesagt er kann wieder rauskommen, wenn er sich beruhigt hat. Und er kam immer wieder raus.“ Wie alt war er denn da? „Na er ist mit knapp 12 Monaten in die Krippe gegangen. Das war ja damals einfach so.“

Manchmal frage ich mich, ob ich übertreibe. Vielleicht bin ja wirklich ich diejenige, die Probleme hat, sich zu trennen und nicht mein Kind? Möglich wäre es. Wie will man nach nur 4 Tagen, eine ganze Einrichtung inkl. Konzept und Fachpersonal beurteilen können? Als Elternteil weiß man ja ohnehin nicht, worauf es ankommt, nicht wahr?

Nun um ehrlich zu sein: ich bin froh, dass ich das gar nicht tun muss. Wozu auch? Ich hab ja mein Bauchgefühl. Und ein Kind, das ja glücklicherweise schon sagen kann, was es will.

Ja, sie hat gestern, als ich weg war nicht geweint (jedenfalls wurde mir nichts derartiges berichtet), aber heute morgen war sie schon auf der Busfahrt zur Kita unruhig und als wir dann ausgestiegen sind, wollte sie nicht weiterlaufen. Immer wieder blieb sie stehen „Nein Mama, tomm – i wvie nach hauze!“ Wir waren trotzdem den Vormittag über da, aber sie hat sich an mich geklammert wie ein Affenbaby an seine Mutter.

„Na die hat jetzt schon verstanden wie der Hase läuft, aber da müssen Sie jetzt durch. Ich würde sagen wir versuchen es morgen gleich nochmal für eine Stunde, ohne Sie. Die müssen eben am Anfang lernen, dass sie nicht einfach nur lange genug schreien müssen damit die Mama wieder kommt.“, belehrte mich die Erzieherin immer wieder eindringlich.

Heute waren wir nicht da. Morgens lief einfach alles schief: Sophie wollte sich nicht anziehen, nicht einmal die Schuhe (wenn sie könnte würde sie ja sonst nackt und in Gummistiefeln draußen umherspazieren). Ich habe mir dann zwischen Frühstück und Tasche packen beim Brotschneiden die halbe Fingerkuppe amputiert. Dazu auch noch geflucht. „Scheiße! So ein Dreck!!! Ach verdammt….“, worauf mein liebes Töchterlein natürlich sofort zu einer ihrer berühmten Beileidsbekundung ansetzte: „Scheissse, Mama da Finga putti! Oh oooh!!! Ame Mama! Nein, nein! Schhhhh…. Nisch weine, Mama. Nisch weine. Leise!“ Ich konnte die Tränen (und das Lachen) gerade so zurück halten.

Klar, daheim ist es chaotischer, aber ich bin froh, dass es heute nicht mehr „einfach“ ist, sondern dass man die Qual der Wahl hat. Nach einer kurzen Bestandsaufnahme:

Antieule: Willst du heute noch in den Kindergarten?

Sophie: Nein!

Antieule: Gut, ich nämlich auch nicht.

habe ich die Krippenleitung angerufen und abgesagt. Erst mal nur für heute. Mal sehen was der Rest der Woche bringt.

Lieber ein Kind, das flucht und lacht wie ein Bauarbeiter, als ein verschnupftes häufchen Elend, in der Ecke eines pädagogisch wertvoll eingerichteten Gruppenraums.