Daily Life, Parenting

Keinen Bock auf Bobo

Ich gebe es zu: An manchen Tagen wünsche ich mir einfach, dass  die Mutter von „Bobo der Siebenschläfer“ im Supermarkt von einer Konservendose erschlagen wird! Zack, bum – tot! Dann hätte man sich nämlich auch den dämlichen Band „Bobo geht in den Zoo“ (kommt es nur mir so furchtbar verquer vor, dass ein Siebenschläfer sich andere Tiere in Käfigen ansieht???!) sparen können. Es gibt Abende, da habe ich einfach keine Lust ein Lied zu singen, einen Fingerreim aufzusagen oder mir eine Geschichte auszudenken, obwohl ich „Der Hase und das Stinktier“ (vorgestern) besser finde als die meisten modernen Kinderbücher. Das Stinktier ist übrigens am Ende mit dem Iltis befreundet, weil sich keiner der beiden am Geruch des anderen stört. So viel also dazu.

Was man tun kann, wenn man gerade keinen Bock auf pädagogische Korrektheit hat und die Motivation sich längst in den Feierabend verabschiedet hat? Ganz einfach:

Option A – den Papa (wahlweise auch Opa / Onkel / Nachbar etc) einspannen.

Achtung: Männer brauchen (bei jüngeren Kindern, die noch nicht Fußball spielen können oder kein Interesse an der Programmierung eines Roboters haben) klare Ansagen, wie „Schaut euch doch dieses Buch an“ oder „Spielt doch mal dieses Spiel!“. Eine komplette Gebrauchsanweisung ist allerdings nicht nötig. Männer machen zum Glück eh alles anders. Wenn mein Mann beispielsweise mit unserer Tochter ein Fühlbuch durchblättert, hat das immer etwas von einem Drogenjunkie („Boha wie das glitzert! Fühl mal! Ist das nicht irre?), der einem Alkoholiker („Ba ba! Laaaal! Me me bai bai baa baa!“) von seinem Trip erzählt. Entspannen, zurück lehnen und mitlachen.

Option B – das Kind einfach mal machen lassen.

Ihr Kind möchte unbedingt noch Kuchen backen, alles mit Pflegelotion eincremen oder noch schnell im Wohnzimmer eine Höhle bauen? Warum nicht? Nach- und aufgeben, wo ist da schon der unterschied? Stellen sie sich einfach vor sie wären UN-Beobachter. Die meisten Sachen sind ohnehin abwaschbar und im Notfall kann man immer eingreifen – oder flüchten. Also: keine Angst und stets dran denken: „Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“

Option C – gegen den Strom schwimmen.

Sie sind genervt von anderen Eltern und insbesondere, von deren gewaltbereiten, egozentrischen Schreibojen? Tagsüber ist es so heiß, dass sie weder ihrem Kind, noch sich selbst das Bad im eigenen Saft zumuten wollen? Die Lösung: einfach nachts auf den Spielplatz. Klingt komisch, ist aber toll! Und bitte kommen sie mir jetzt nicht mit Schlafmangel oder den Hinweistafeln zur „Nachtruhe“ – es gibt noch genug andere (sinnvollere) Gelgenheiten um Spießer zu sein.

Daily Life

Lange Nächte und elektronische Schildkröten

Gestern war sie wieder in vollem Gange – die „Lange Nacht der Museen“. Sie vereint, was zusammen gehört: Eventplaner, Künstler und das „gemeine Volk“ bzw. die abgehobene Schicht darüber. (Quasi der Staub.) Aus meiner Sicht (das nächste Museeum liegt keine 100m Luftlinie vom Kinderzimmer entfernt) unterscheidet sich dieses „kulturelle Ereignis“ nur in einem Punkt vom Public Viewing der vergangenen EM-Wochen: man bekommt niemanden ans Telefon. Niemanden, den man fragen könnte:  „Ist das Kunst oder kann das LEISER? Es ist mitten in der Nacht! ICH WILL SCHLAFEN! MEINE TOCHTER AUCH!“. Und wenn sie jemanden ans Telefon bekommen ist er entweder betrunken, nicht befugt oder kann „da jetzt auch nichts machen.“

Da lobe ich mir die halbstarken Erstsemester, die regelmäßig versuchen eine Freiluftdisco mittels ihrer PKW-Lautsprecher, unterhalb unserer Wohnung zu errichten. Hier genügt ein Anruf bei der Polizei oder (falls die Herrschaften vom Trachtenverein zu beschäftigt sind): ein Eimer kaltes Wasser – und schon ist Ruhe.

Tja – jetzt versuchen sie mal einen Eimer Wasser über eine Audioinstallation zu kippen…

Fast genau so schlimm wie der Lärm von außen:  Spieluhren  in Schildkrötenform. Da Madame Pups kaum von diesem Teufelsding (wenigstens nimmt sie nicht mehr unser Haustelefon) zu trennen ist, befindet es sich seltenst an seinem Platz im Regal, sondern meistens irgendwo im Kinderzimmer. „Irgendwo“ – in einem dunklen Kinderzimmer ein dehnbarer Begriff, erst recht wenn man so nachtblind ist, wie ich. Jedenfalls ist alles an diesem Ding teuflisch:

  • der Lärm den es veranstaltet (wenn man im finsteren Zimmer darauf tritt)
  • der Schmerz (den es am nackten Fuß verursacht)
  • die Lichter (ja es blinkt auch noch zur Musik!)

 

Fazit dieser Nacht:

Alles blinkt,

alles lärmt,

alles macht

– mich noch ganz wahnsinnig.